Aktuelles

Das Land Ecuador durchläuft derzeit eine schwere Krise. Letzten Dienstag kündigte der Präsident Lenin Moreno an, die in den 1970er-Jahren eingeführten Subventionen auf Treibstoff zu streichen. Damit will die Regierung Strukturreformen voranbringen, die als Gegenleistung für einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 4,2 Milliarden Dollar zugesagt sind. Die Folge sind massive Preiserhöhungen für Benzin und Diesel. Die Benzinpreise sind um 25 Prozent, die Dieselpreise um 100 Prozent gestiegen.
Daraufhin kündigte die Transportlobby einen Generalstreik an, welcher am Mittwoch 0:00 Uhr begann und bis Freitag dauerte. Bei Verhandlungen mit der Regierung hieß es, dass die Streichung der Subventionen nicht zurückgenommen würden, doch bekamen sie die Zusage, die Mehrkosten auf die Fahrpreise übertragen zu können.
Unter einem Generalstreik muss man sich vorstellen, dass die wichtigen Verkehrsverbindungen mit Strassensperren, brennende Reifen und steineschmeissende Demonstranten unterbrochen werden. Ein Durchkommen ist so gut wie unmöglich und sogar lebensgefährlich. In Quito in der Alststadt gab es große Auseinandersetzungen, da eine aufgebrachte Meute den Präsidenten stürzen wollte (was schon fast eine Tradition hier ist). Allerdings war die Meute absolut violent, es gab viele maskierte Randalierer, was es früher nicht gab. In Guayaquil nutzten die Randalierer die Proteste um Läden auszurauben, etc. Die ersten Verletzten wurden gemeldet…
Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus.
Auch wenn nun die Transportunternehmen zufrieden sind und ihren Streik aufhoben, kündigten unterdessen Indigene und andere gesellschaftliche Gruppen an, den Protest fortzuführen.
In San Gabriel in der Provinz Carchi, wo der Kindergarten unserer Stiftung ist, ist zum Glück vom derzeitigen Streik nicht viel zu spüren. Nur wenige nehmen an den Kundgebungen und Auseinandersetzungen teil, es ist wichtiger zu arbeiten um die Familien ernähren zu können. Dennoch gilt auch hier der Ausnahmezustand und morgen, Montag 7. Oktober, fällt der Unterricht aus.
Ich persönlich hoffe, dass es bald zu einer Lösung kommt. Ich verstehe sowohl die Maßnahmen, welche die Regierung ankündigte und bereits durchführte (Treibstoffpreise) als auch den Unmut der Ecuadorianer, denn die hohe Auslandsverschuldung hängt direkt mit der großen Korruption der Politiker zusammen.