{"id":24625,"date":"2020-04-14T17:12:08","date_gmt":"2020-04-14T17:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fumuecuador.org\/?p=24625"},"modified":"2020-04-15T23:50:27","modified_gmt":"2020-04-15T23:50:27","slug":"corona-in-ecuador-12-april-2020","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.fumuecuador.org\/?p=24625","title":{"rendered":"Corona in Ecuador (12. April 2020)"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte so viele Anfragen bekommen, wie es uns bez\u00fcglich \u201eCorona\u201c in Ecuador geht, dass ich mich dazu entschloss, die Lage ganz allgemein zu schildern.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich geht es uns in Ibarra, im n\u00f6rdlichen Hochland von Ecuador (noch) relativ gut. Leider versagt unser hiesiges Gesundheitssystem komplett, zus\u00e4tzlich gibt es Korruption, Armut und Idioten\u00a0&#8211; eine Mischung die, wie man in Guayaquil sehen konnte, sehr gef\u00e4hrlich ist.<\/p>\n<p>In der Hafenstadt Guayaquil hatten quasi die Reichen das Virus angebracht: an der K\u00fcste begannen am 4. Februar die gro\u00dfen Ferien, welche viele ausnutzten, um nach Spanien, Italien und USA zu fliegen \u2013 die beliebtesten Ziele der Ecuadorianer, weil dort auch viele Familienmitglieder wohnen. Sie kamen aus diesen L\u00e4ndern nach Hause, als der Pr\u00e4sident die Schlie\u00dfung der Grenzen am 16. Februar und ein Ausgehverbot anordnete. Doch diejenigen, die nun sehr darunter leiden m\u00fcssen, sind die Armen. Die gro\u00dfe Menge lebt von dem, was sie t\u00e4glich verdienen k\u00f6nnen, sei es als Tagel\u00f6hner (Maurer, Erntehelfer, etc.) oder durch Verkauf von Utensilien oder Essen auf der Stra\u00dfe. Es gibt keine Ersparnisse, wenn man nicht arbeitet, gibt es kein Geld, ohne Geld kein Essen. Das \u201eAusgangsverbot\u201c wird von vielen nicht eingehalten, weil sie auf der Suche nach einer Verdienstm\u00f6glichkeit sind. In Guayaquil ist die Einwohnerdichte sehr hoch, viele Bewohner leben auf kleinem Raum, was zus\u00e4tzlich die Ansteckungsrate erh\u00f6ht. Dann wurden die ersten Patienten in die Krankenh\u00e4user gebracht, die waren schnell \u00fcberlastet, ohne jegliche Vorbereitung und Schutzmaterial, es kam zu Ansteckung von \u00c4rzten, Krankenpflegern und sonstigem Personal\u00a0 (ca. 40% aller offiziellen Coronazahlen\u00a0 f\u00e4llt auf diese Gruppe), somit kam es zu Personalengpass in den Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Dann gab es die ersten Toten; erst hie\u00df es, dass die Coronatoten feuerbestattet werden sollen, wegen der Ansteckungsgefahr. Doch die wenigen Bestattungsinstitute, welche eine Kremation anbieten, waren v\u00f6llig \u00fcberlastet. Auch war nicht klar, wie man die vielen Leichen von zu Hause abholen kann \/ darf, weil das eigentlich ein Gerichtsmediziner machen sollte, doch die kamen auch nicht mehr hinterher. Dann hie\u00df es, dass die Leichen auch Erd-bestattet werden d\u00fcrfen, doch dann wollten einige Bestattungsinstitute die Toten nicht annehmen, da sie Angst hatten, sich auch anzustecken, zuletzt, weil es keine S\u00e4rge mehr gab. Weil alle Aktivit\u00e4ten in Ecuador seit dem 23. M\u00e4rz stillgelegt wurden und eine landesweite Quarant\u00e4ne ausgerufen wurde mit Ausgangsverbot, k\u00f6nnen auch die Schreiner kein Material f\u00fcr den Bau von S\u00e4rgen bekommen&#8230; Die Toten stapelten sich in den Krankenh\u00e4usern und zum Teil auch auf der Stra\u00dfe. Mit Polizeigewalt und Milit\u00e4r\u00fcberwachung wurde letztendlich ein wenig Ordnung geschaffen, doch bis dahin war die Situation schrecklich \u2013 die Bilder, die um die Welt gingen.<\/p>\n<p>Laut offizieller Zahlen, gibt es in Guayaquil \u201enur\u201c 168 Corona-Tote bis zum heutigen Tag, was mit der vorher geschilderten Situation nicht vereinbar ist. Das liegt daran, dass die meisten Infizierten gar nicht erst auf Corona getestet wurden, bzw. in die Statistik geht nur ein, was offiziell auch als Corona positiv gemeldet wurde. Nat\u00fcrlich gibt es auch viele, welche nicht an Corona starben, aber aufgrund der Notsituation nicht rechtzeitig behandelt werden konnten oder ins Krankenhaus gebracht werden konnten, etc. Nach wie vor steigt die Zahl jeden Tag der neu Infizierten inmens an, vor allem in Guayaquil, aber auch nach und nach dehnt sich die Ansteckung auf alle anderen Provinzen aus, was bei einer weltweiten Pandemie auch normal ist (so die Experten).<\/p>\n<p>Nach offiziellen Daten haben wir in Ibarra erst rund 33 Sars-Cov2 Positive, allerdings ist die Dunkelziffer wesentlich h\u00f6her. Weil mein Mann Christian (Arzt) jede Menge Patienten mit Symptomen behandelt ist uns klar, dass das mit der Statistik im Land nicht funktioniert und auch nicht funktionieren wird. Eigentlich soll es inzwischen Tests geben, welche von der Regierung importiert wurden, doch an die gro\u00dfe Masse wurden diese nicht weitergegeben. Ich vermute, dass die Tests die Politiker f\u00fcr sich und ihre Familien verwenden, nicht aber f\u00fcr das einfache Volk. Als gro\u00dfe Meldung kam vor 3 Wochen, dass nun w\u00f6chentlich 400 Tests durchgef\u00fchrt werden, w\u00e4hrend es in Deutschland 200.000 pro Woche waren&#8230; Morgen, 13. April, soll in Guayaquil eine neue Laboreinrichtung gestartet werden, mit der pro Tag 1.000 Tests durchgef\u00fchrt werden sollen. Christian, mein Mann, diagnostizierte bei vielen Patienten inzwischen Coronavirus und schickte sie zum Gesundheitsamt, damit sie dort den Test durchf\u00fchren. Dort wurden sie jedoch abgewiesen mit der Begr\u00fcndung, dass es sich nur um eine Rachenentz\u00fcndung oder eine normale Grippe handle&#8230;<\/p>\n<p>Wenn man nun also Verdacht hat, sich angesteckt zu haben und einen Test machen lassen m\u00f6chte, muss man stolze $ 120,00 an ein privates Labor hinbl\u00e4ttern. Ist der Test dann tats\u00e4chlich positiv, muss man sich in h\u00e4usliche Quarant\u00e4ne begeben (ein Polizist soll pr\u00fcfen, dass man diese auch einh\u00e4lt, wenn man die Quarant\u00e4ne nicht einh\u00e4lt, droht Gef\u00e4ngnis). Um dann nach \u00fcberstandener Krankheit wieder aus dem Haus zu d\u00fcrfen, muss man wieder zwei Tests in einem gewissen Abstand machen lassen, in welchem man \u201enegativ\u201c ist (l\u00e4uft glaube ich in Deutschland gleich ab), also nochmals $ 240, insgesamt $ 360 pro Person f\u00fcr die Tests \u2013 ein Monatslohn betr\u00e4gt derzeit US$ 400,00&#8230;. Man kann sich vorstellen, dass die wenigsten diese Kosten tragen k\u00f6nnen, zumal auch die wirtschaftliche Zukunft im Unklaren ist.<\/p>\n<p>In der Provinz Carchi, in welcher sich der Kindergarten befindet und die Patenkinder leben, gibt es zum heutigen Stand 24 Corona Infizierte. Das Leben dort hat sich auch ge\u00e4ndert, nur sehr wenige trauen sich noch auf die Stra\u00dfe bzw. werden auch zum Arbeiten auf das Feld mitgenommen, auch wenn nun gerade die Landwirtschaft die Bewohner der St\u00e4dte mit Lebensmittel versorgt. Viele Familien leben vom Verkauf auf dem Markt oder irgendwelcher Dinge auf der Stra\u00dfe \u2013 alles Aktivit\u00e4ten, welche derzeit verboten sind.<\/p>\n<p>Letzte Woche haben wir die Ausgabe von Grundnahrungsmitteln an die Patenkinder organisiert und diese Woche werden wir dies auch auf die Kindergartenkinder erweitern. Die jeweiligen Eltern- oder Gro\u00dfelternteile k\u00f6nnen dann direkt in einem Laden zu verschiedenen Zeiten die Lebensmittel in Empfang nehmen. Wir hoffen, damit zumindest ein bisschen helfen zu k\u00f6nnen. Zum Gl\u00fcck ist die Bev\u00f6lkerung in San Gabriel sehr solidarisch und unter Nachbarn hilft man sich aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte so viele Anfragen bekommen, wie es uns bez\u00fcglich \u201eCorona\u201c in Ecuador geht, dass ich mich dazu entschloss, die Lage ganz allgemein zu schildern. Tats\u00e4chlich geht es uns in Ibarra, im n\u00f6rdlichen Hochland von Ecuador (noch) relativ gut. 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